Wachkoma
"Die Würde des Menschen ist unantastbar"
Die Verwendung des Wachkoma-Begriffs ist dabei weder eindeutig noch unumstritten. Auch wenn der betroffene Personenkreis in der Literatur zunehmend als Bewohner der neurologischen Phase F beschrieben wird, gibt der Begriff Wachkoma aus unserer Sicht am ehesten die Einstellung wieder, die wir vertreten: Dass es sich bei dem Zustand der Betroffenen um einen möglicherweise vorübergehenden handelt, in dem der Bewohner durchaus noch vieles wahrnehmen und empfinden kann.
Aus Berichten ehemaliger Betroffener und basierend auf neuesten medizinischen Untersuchungen weiß man z.B., dass Eindrücke aus der Umwelt durchaus aufgenommen werden, auch wenn sie nicht in einer für die Umwelt erkennbaren Form verarbeitet werden und darauf reagiert wird. Für uns ist dies auch eine grundsätzliche Frage der ethischen und christlichen Verantwortung gegenüber den Mitmenschen, die dies auch dann noch bleiben, wenn sie am Leben nicht mehr in gewohnter Form teilhaben können. Wir schließen uns dem neueren beziehungsmedizinischen Ansatz an, der diese Menschen nicht als defizitär, sondern als anders beschreibt. Diese Andersartigkeit mit ihren Möglichkeiten gilt es zu erkennen, darauf aufbauend, den Betroffenen, die auf unsere Hilfe angewiesen sind, ein so „vollständiges” Leben wie möglich zu bieten und die Teilhabe der Wachkomabewohner am sozialen Leben auch dann sicherzustellen, wenn schwere und schwerste Folgen neurologischer Erkrankungen die „Brücken“ zur Umwelt einengen oder zeitweise ganz unterbrechen.
Nur dies ist unserer Auffassung nach mit Artikel l des Grundgesetzes „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ zu vereinbaren, sowie mit den Leitsätzen, die die Senioren- und Pflegeeinrichtung Franziskaner-Hof als Grundlage ihrer Arbeit formuliert hat.
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